Der Gläserne Berg

Wie kommen wir dazu, hier schon seit 2006, seit der Eröffnung des Hauptbahnhofs, Führungen anzubieten? Die Bahn selbst hat uns darum gebeten, denn sie  macht nur Führungen für große vorangemeldete Gruppen. Wir sind da deutlich flexibler.

Wir zeigen Ihnen den Berliner Hauptbahnhof
Und so machen wir seit 8 Jahren unverdrossen zweimal pro Woche öffentliche Führungen für jedermann über den Hauptbahnhof (jeden Sonntag und jeden Dienstag von 11.00-12.30 Uhr).

Studenten der Hochschule Anhalt
Diese jungen Menschen sehen eigentlich ganz harmlos aus. Und dennoch: Das ist die cleverste Truppe, die Michael Voigtländer je über den Berliner Hauptbahnhof geführt hat.

Aber nein!

Die absolut cleverste Truppe kam im Juni 2014 nach Berlin. Schülervertreter Markus Karasek organisierte für über 30 Bautechnikschüler aus Österreich eine Besichtigung des Hauptbahnhofs. Und das war der Hammer! Die kaum 18jährigen kannten sich aus wie die Baulöwen. Michael Voigtländer war platt. Und die hatten noch niocht einmal ihr Abitur abgeschlossen. Absolute Spitzenklasse - Die Fachschule für Bautechnik und Bauwirtschaft in Krems.

HTL Krems


Kulturpiloten
Aktuell: ein bemerkenswertes Projekt, die "Kulturpiloten" wird von uns gern unterstützt.
"Als „Kulturpiloten“ erkunden Schülerinnen und Schüler die Kulturlandschaft Berlins. Ziel der „KulturPiloten“ ist es, die Kinder zu befähigen, selbst ihre Chancen zu verbessern. Begleitet von Experten wie Schauspielern, Musikern und Künstlern, aber auch Ingenieuren und Wissenschaftlern, besuchen sie Opernhäuser und Theater, Ausstellungen und Museen, Planetarien und Bibliotheken. Jede Gruppe bildet eine Staffel, für die eine der neun Musen mit ihrer besonderen Begabung Pate steht. So bekommen die Kinder die Möglichkeit, im Rahmen des Angebots ihre ganz eigenen Interessen und Vorlieben zu entdecken und auszubauen. Das Projekt Kulturpiloten ist rein spendenfinanziert.

Herr Berger tanzt den Hauptbahnhof

Immerhin machen wir, also vor allem Uli Berger, das unverdrossen schon seit acht Jahren, Woche für Woche. Rechnen Sie mal. Deshalb kann es nicht ausbleiben, dass man uns auch bemerkt:

Empfehlung: Führungen durch den Hauptbahnhof

"Nach wie vor ist der Berliner Hauptbahnhof eine Faszination für Einheimische und Touristen. Weil das Interesse am architektonischen, ingenieurs- und bahntechnischen Konzept des “modernsten Bahnhofs der Welt” seit seiner Eröffnung ungebrochen ist, werden von der Bahn informative Gruppenführungen (bis 25 Personen, ab 150 Euro) angeboten.
Wer es lieber kritischer – und vor allem günstiger – mag, dem kann man das Büro für Industriekultur und seinen Aufstieg zum “gläsernen Berg” ans Herz legen."
(http://berlinhauptbahnhof.wordpress.com/2012/08/07/empfehlung-fuhrungen-durch-den-hauptbahnhof/)

Uli Berger Hauptbahnhof

 

„Der modernste Bahnhof der Welt“

Gesamtkosten: 1,2 Mrd. €, sagt die Bahn.
Was schätzen Sie, wieviel km Autobahn könnte man mit der halben Million t Beton herstellen, die hier verbaut wurden? Nur 65 km.
Da können Sie mal sehen, wo die eigentlichen Kostenfresser heutzutage stecken!

Die Cheops-Pyramide zum VregleichStellen Sie sich eine riesige Pyramide mit 430 m Kantenlänge vor (Cheopspyramide: 230 m), halb in der Erde vergraben. Wenn man die Cheopspyramide bei gleichem Volumen auf die Kantenlänge des Hauptbahnhofs erweitern würde, hätte sie eine Höhe von 42 m. Genau wie der Hauptbahnhof. Das ist der größter Turmbahnhof Europas, mit 5 Ebenen.

Ein gläserner Berg: In Sagen, Legenden und Märchen gibt es häufig die Schilderung von gläsernen Palästen und gläsernen Berge, deren glatte Wände nur mühsam zu überwinden sind. Ein gläserner Berg wird als erstrebenswertes Ziel gesehen, ähnlich dem Paradies. Eigentlich eine Utopie, eigentlich ein Ziel, das nicht wirklich zu erreichen ist.
Hier soll er nun für die Bahn und ihre ehrgeizigen Ziele Wirklichkeit werden. Das klappt natürlich nicht wirklich, aber dieser Bahnhof vollendet die Deutsche Einheit in der Mitte Berlins. Er ist der letzte großer Solitär, der Umbau Berlins zur Hauptstadt ist damit offiziell abgeschlossen.

Führung über den Hauptbahnhof

Berlin Hauptbahnhof, Februar 2014
Historischer Hintergrund, spezielle Lage und Aufgaben des Hauptbahnhofs in Berlin

Der HBF wurde 2006 nach fast 10jähriger Bauzeit als letzter Solitär der Deutschen Einheit, als Wahrzeichen der wiedervereinigten Hauptstadt eröffnet.
Deshalb wurden weder Kosten noch Mühe gescheut, um ein ganz besonderes (und aufwendiges) Bauwerk zu schaffen
In Berlin war, ähnlich wie in London, Paris und Moskau, ein Ring von Kopfbahnhöfen der in die verschiedenen Richtungen führenden privaten Eisenbahnen entstanden. Die Stadt wuchs weiter und überwucherte letztlich die Kopfbahnhöfe. Die wurden in den 1870er Jahren durch eine Ringbahn verbunden. 1882 wurde die Stadtbahn auf Viadukten quer durch die Stadt eröffnet, sie diente mit ihren Bahnhöfen gewissermaßen als langgestreckter Zentralbahnhof in Berlin.
Erst nach der Wiedervereinigung konnte das Konzept eines einheitlichen Hauptbahnhofs als zentraler Umsteigepunkt verwirklicht werden.
Hier treffen sich die Nord-Süd-Linien mit den Ost-West-Trassen der Fern-, Regional- und S-Bahnen.
Der HBF entstand auf dem Gelände des ehemaligen Lehrter Bahnhofs, der als Kriegsruine am Ende der 50er Jahre abgeräumt wurde, nicht weit vom halbzerstörten Reichstag. Beim Aufbau des HBF wurde auch leider die denkmalgeschützte Substanz des erhaltenen Lehrter Stadtbahnhofs der S-Bahn abgerissen.

Bahnhofsumfeld und aktuelles Baugeschehen im Umfeld des Bahnhofs

Untrennbar mit dem Bahnhof verbunden ist sein unmittelbares Umfeld, das infolge der langjährigen Teilung der Stadt einige Besonderheiten aufweist. So lag auf der anderen Seite des Humboldthafens schon das berühmte, 300 Jahre alte Universitätskrankenhaus Charite im ehemaligen Ostberlin.
Erst in den letzten Jahren hat das Baugeschehen rund um den HBF Fahrt aufgenommen. Im nördlichen Umfeld wird an der Anbindung des HBF durch die S-Bahn S21 an den Nordring gearbeitet, das erste neue Bürohochhaus für den französischen Erdölkonzern Total ist bereits bezogen, weitere Bauten sind im Entstehen.
Auch südlich des HBF, auf der Spreeuferseite, entsteht ein Hotel nach dem anderen. Weitere Bauten entwickeln sich östlich des Humboldthafens, so dass die gesamte Stadtlandschaft hier in Bewegung geraten ist.

Struktur, Aufbau und Architektur des HBF

Eigentlich besteht der HBF, betriebstechnisch gesehen, aus 5 einzelnen Bahnhöfen, die durchaus auch eigene Bezeichnungen haben.
Durch die sich kreuzenden Verkehrstrassen war der Charakter eines Tumbahnhofs von vornherein vorgegeben. Die Nord-Süd-Trassen kommen im Tunnel unter dem Tiergarten und der Spree in 15 m Tiefe an, die Ost-West-Trassen der Fern-, Regional- und S-Bahnen verlaufen auf dem Viadukt in 10 m Höhe über dem Berlin-Spandau-Verbindungskanal.
Der Grundgedanke des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner (gmp) bestand in der Zusammenfassung aller Bahnhofshallen in einem „Gläsernen Berg“, der zudem noch zur Hälfte in den Boden eingelassen wurde. Die Umsetzung des Prinzips der maximalen Transparenz des gesamten Bahnhofsraumes erwies sich in der Praxis als sehr kompliziert und aufwendig, auch was die notwendigen und eisenbahnspezifischen Genehmigungen für neuartige technische Lösungen wie z.B. die 360°-Panoramaaufzüge oder die filigranen Gabelstützen für die oberen Bahnsteige betrifft. Nicht alle angedachten technischen Lösungen konnten bis zur vollen Anwendungsreife entwickelt werden.

Besonderheiten, Sicherheitsvorkehrungen, Probleme am Bahnhof

Im Verlaufe des Rundgangs wird auch auf Entwicklungstendenzen im Bahnhofsgelände eingegangen, auf Fragen der Sauberkeit und Ordnung. Das Sicherheitskonzept dieses eigentlich „ferngesteuerten“ Bahnhofs wird genauso vorgestellt wie die unterschiedlichen baulichen Maßnahmen zur Vorbeugung und Begrenzung von Unglücksfällen. Speziell auf das Brandschutzkonzept wird gesondert eingegangen.
Allmählich nähert sich der ursprünglich sehr personalintensiv betreute Vorzeigebahnhof von ganz allein dem normalen Alltagsbetrieb wieder an, so dass er immer besser zu Berlin passt, mit allen Vorzügen und Schwächen.
Unter anderem wird auch auf Probleme während des Baus und im weiteren Betrieb des Bahnhof eingegangen. Einige Probleme hingen mit den Sondermaßnahmen zusammen, die der damalige Bahnchef Mehdorn eingeleitet hatte, um den politischen gewollten Fertigstellungstermin zur Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft 2006 zu sichern. Dazu gehört die bis heute umstrittene Verkürzung des Glasdachs auf der Ost-West-Trasse sowie der letztlich vor Gericht ausgetragene Streit um die vereinfachte Deckenkonstruktion bei den Nord-Süd-Trassen.
Andere Probleme, wie z.B. die Reinigung der Glasdächer, konnten trotz aller Bemühungen bis heute nicht gelöst werden. Der Einsatz von Robotertechnik scheiterte schon im Ansatz. Auch die speziell entwickelten Hebezeuge auf Gummikettenraupenfahrzeugen zum Reinigen der riesigen Glasflächen von Innen verschwanden stillschweigend wieder in der Versenkung.
Auch die Stelle des spektakulären Absturzes tonnenschwerer Stahlbalken während einer Sturmnacht im Jahr 2007 wird gezeigt, die offensichtlich unzureichend befestigt wurden.
Glasdach

Rundgang durch alle fünf Ebenen

Auf der Führung werden alle fünf Ebenen des HBF einschließlich der Ausblicke von den Nord- und Südterrassen auf das Umfeld besichtigt. Sowohl das im Bau befindliche Europa- wie das Regierungsviertel sind von hier aus gut zu erkennen.
Auch der bis jetzt noch sehr ungewöhnliche U-Bahnhof der „Kanzler-Linie“ U 55 und die bereits vorbereitete Baugrube der zukünftigen Nord-Süd-S-Bahn S 21 im Bahnhofsbereich werden vorgestellt.
Der Rundgang beginnt zunächst auf der nördlichen Aussichtsterrasse mit dem den meisten Berlinern gar nicht bekannten riesigen stählernen Pferd, von den Berlinern respektlos „kotzendes Schaukelpferd benannt. Der Rundgang wird in der Eingangshalle am Europaplatz fortgesetzt, hier liegt der Schwerpunkt auf interessanten Lösungen für eine barrierefreie Gestaltung, die den meisten Besuchern gar nicht auffällt. Weiter geht es im ersten Untergeschoss, wo sich das Gesamtbild des „Gläsernen Berges“ am besten erschließt. Als nächstes folgt auf der gleichen Ebene der U-Bahnhof. Nach einigen geschichtlichen Exkursionen geht es dann ganz nach unten, auf die Nord-Süd-Bahnsteige. Hier stehen Fragen der sicherheitsgerechten Gestaltung im Vordergrund. Nach einem kurzen Bummel über den unteren Bahnsteig geht es zum Eventcenter im Zentrum des HBF. Weiter führt der Weg noch oben zur nördlichen „Kanzlerterrasse“ mit Aussicht auf das spreenahe Umfeld mit einer Vielzahl von Neubauten. Auch Kanzleramt und Reichstag, kurz das gesamte Regierungsviertel ist von hier aus gut zu sehen. Auch das verkürzte Glasdach und die Absturzstelle des bereits benannten Stahlbalkens wird hier gezeigt. Den Abschluss bilden die oberen Ost-West-Bahnsteige, von denen aus sich ein Einblick in die tiefen Abgründe des „Gläsernen Berges“ genauso wie ein Panoramablick über den gesamten Spreebogen eröffnet.

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